Es ist nun etwas mehr als zehn Jahre her, dass der S&P 500-Index Anfang Oktober 2007 seinen Höchststand erreichte, bevor er in den darauffolgenden anderthalb Jahren während der weltweiten Finanzkrise mehr als die Hälfte seines Wertes einbüßte.

Im Oktober 2017 gab es anlässlich der Jahrestage bedeutender Ereignisse der Finanzkrise (beispielsweise der zehnte Jahrestag des Ansturms auf Northern Rock oder der Zusammenbruch von Lehman Brothers) vermehrt Rückblicke zum damaligen Geschehen. Wir wurden mit Meinungen überschüttet, inwiefern sich das Umfeld Oktober 2017  mit dem Zeitraum vor der Krise gleicht oder sich von ihr unterscheidet. Es ist schwierig, aus solchen Beobachtungen nützliche Erkenntnisse zu gewinnen.
Und das passiert gerade wieder!
Bitte lassen Sie sich nicht verunsichern, denn Finanzmärkte verhalten sich auf kurze Sicht oft unberechenbar. Es lassen sich daraus einige wichtige Lehren für Investoren ziehen:
Die Finanzmärkte haben Anleger auf lange Sicht belohnt, und mit einem Investmentansatz, dem Sie – insbesondere in schwierigen Zeiten – treu bleiben können, ist es einfacher sich gegen die nächste Krise und ihre Folgen zu wappnen.

NACHTRÄGLICHE ERKENNTNISSE

Im Jahr 2008 verlor der Aktienmarkt rund die Hälfte seines Wertes. Ein Jahrzehnt nach der Krise ist die Vergangenheit gelassener zu betrachten. Die letztendliche Erholung des Marktes und die zweistelligen Gewinne in den Folgejahren haben wahrscheinlich auch ihren Teil dazu beigetragen. Inmitten der Krise erschien eine solche Zukunft jedoch noch alles andere als gewiss. Schlagzeilen wie etwa „Schlimmste Krise seit den Dreißigern und kein Ende in Sicht“,[1] „Kreditklemme bringt die Märkte aus der Fassung“,[2] „Aktien verzeichnen größten Tagesverlust seit zwanzig Jahren“[3] standen an der Tagesordnung. Der Blick in die Zeitung, das Aufschlagen von Quartalsberichten oder aber der Abruf des Kontostands schlug vielen auf den Magen.

Zwar führen Investoren auch heute (und im Grunde genommen in jeder Periode) kein sorgenfreies Leben, aber viele empfanden während der Finanzkrise ein besonders ausgeprägtes Panik- und Angstgefühl. Viele Investoren reagierten emotional auf diese Entwicklungen. In der ersten Aufregung glaubten einige, dem nicht standhalten zu können, und verkauften daher ihre Aktien. Es gab aber auch viele, die auf Kurs blieben und an ihrem Investmentansatz treu geblieben sind, sich von der Krise erholten und dann von der anschließenden Erholung der Märkte profitierten.

Wichtig ist sich daran zu erinnern, dass diese Krise und die anschließende Erholung, nicht die erste Phase erheblicher Volatilität in der Geschichte der Finanzmärkte darstellte. Abbildung 1 veranschaulicht dies.

Abbildung 1. Die Reaktion des Marktes auf eine Krise

Simulierte Wertentwicklung einer ausgewogenen Strategie: 60% Aktien, 40% Anleihen (kumulierte Gesamtrendite)

Die Wertpapiere im Modell können signifikant von jenen in einem Kundenkonto abweichen. Es kann vorkommen, dass simulierte Wertentwicklungen den Einfluss von Wirtschafts- und Marktkräften auf die Entscheidungen von Finanzberatern möglicherweise nicht widerspiegeln, wenn diese tatsächliche Kundengelder verwalten. Diese Strategie stand im angegebenen Zeitraum nicht für Investments zur Verfügung. Die tatsächliche Verwaltung einer derartigen simulierten Strategie kann zu geringeren Renditen führen als die rückwirkend getesteten Ergebnisse.
Die Wertentwicklung in der Vergangenheit (einschließlich hypothetischer Wertentwicklungen in der Vergangenheit) stellt keine Garantie für zukünftige oder tatsächliche Entwicklungen dar. Die gezeigte simulierte Wertentwicklung ist die “Gesamt-Wertentwicklung”, welche Reinvestments von Dividenden einschließt, aber nicht den Abzug von Investmentberatungsgebühren und anderen Kosten enthält. Die Investmentrenditen eines Kunden werden um die Beratungsgebühren und andere Kosten reduziert, welche bei der Verwaltung seines Beratungskontos anfallen können.

Dargestellt ist die Wertentwicklung einer ausgewogenen Investmentstrategie nach mehreren Krisenereignissen, darunter die Insolvenz von Lehman Brothers im September 2008, mitten in der Finanzkrise. Jedes Ereignis ist mit dem Monat und Jahr versehen, in dem es sich ereignete bzw. seinen Höhepunkt erreichte.

Hätte man zum Zeitpunkt jedes dieser Ereignisse in eine global diversifizierte, ausgewogene Anlagestrategie investiert, hätte man in den meisten Fällen unmittelbar danach zunächst Verluste verzeichnet. Jedoch konnten sich die Finanzmärkte wieder erholen, wie die in der Abbildung dargestellten kumulierten Renditen über drei, fünf und zehn Jahre zeigen. Verfügt ein Anleger bereits vor solchen schwierigen Phasen über eine langfristige Perspektive, eine angemessene Diversifikation und eine der Risikotoleranz und den Anlagezielen entsprechenden Assetallokation, kann dies dabei helfen, die nötige Disziplin zu wahren, um den Sturm zu überstehen. Ein Finanzberater kann entscheidend dazu beitragen, diese Probleme zu bewältigen und den Anlegern beratend zur Seite stehen, wenn die Lage aussichtslos scheint.

FAZIT

In der Vorstellung mancher Anleger droht stets eine „Krise des Tages“ oder ein mögliches bedeutendes Ereignis, das den nächsten Marktrückgang einläuten könnte. Bekanntlich ist es ein schwieriges Unterfangen, zukünftige Ereignisse bzw. die Reaktion des Marktes richtig vorherzusagen. Dennoch ist es wichtig zu verstehen, dass Marktvolatilität zum Investieren dazu gehört. Anleger, die von höheren potenziellen Renditen profitieren möchten, müssen bereit sein, eine höhere Unsicherheit in Kauf zu nehmen. Ein wesentlicher Bestandteil einer guten langfristigen Investmenterfahrung ist die Fähigkeit, auch in schwierigen Zeiten an seiner Investmentphilosophie festzuhalten. Ein wohldurchdachter, transparenter Investmentansatz kann es Investoren ermöglichen, sich besser gegen Ungewissheiten zu wappnen, es ihnen leichter machen, an ihrem Plan festzuhalten und letzten Endes in den Genuss der langfristigen Renditen der Finanzmärkte zu kommen.

Anleger sollten sich daher auf Ausdauer und eine geeignete Portfoliostruktur verlassen, um Anlagerenditen zu erzielen, anstatt Marktentwicklungen vorhersagen zu wollen.

Haben Sie noch Fragen oder wollen eine zweite Meinung zu Ihren Investmentanlagen, dann sprechen Sie mich einfach unter 08092-8630646 an oder mailen mir unter christoph.freitag@financial-planning.de.

[1]. https://www.wsj.com/articles/SB122169431617549947.

[2]. washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2008/09/17/AR2008091700707.html.

[3]. http://nytimes.com/2008/09/30/business/30markets.html.